Blog-Texte


Hier finden Sie Blog-Texte, die
aus der Kooperation des Ethik-Collegs mit der Vitao Allianz Schweiz stammen. Die neusten Artikel finden Sie oben, die älteren unten.


Samstag, 4. Juni 2011
VITAO®LINTHPARK Zukunftswerkstatt Infotag 28.Mai 2011 Prof. Dr. Joachim Kohlhof,

Das Thema VITAO®LINTHPARK Zukunftswerkstatt ist kein Jedermanns-Thema - obwohl es jeden von uns angeht. Denn jeder sollte verantwortlich mit dazu beitragen, wohin die Reise geht. Zukunft ist mitgestaltbar. Zukunft gibt es nicht ohne Vergangenheit und Gegenwart.

Für die Presse, welche die Aufgabe hatte, diesen Informationstag "Wasserkraft birgt Zukunft" am 28. Mai 2011 themenübergreifend der Öffentlichkeit näherzubringen, war es ein gewaltiges Spagat. Gerne zitiere ich ausschnittsweise aus dem FRIDOLIN vom 1. Juni 2011:

"Aus Wasser wird ein Zukunftsnetz". "Das Glarnerland - insbesondere Glarus Süd - ist reich an Wasserkraft. Sie birgt die Zukunft - wenn aus der Ressource Standorte wie das Areal der Spinnerei Linthal AG werden. Wo Zukunftswerkstatt, Turbinen, Medizin und General Suworow zusammenkommen..." Und man möge mir nun verzeihen, wenn ich mich hier auf die Wiedergabe des Artikels beschränke, welche sich der Zukunftswerkstatt und dem Suworow Museum widmet:

"Zukunftswerkstatt und Museum - Es wurde aber auch über die Geschichte und über die Zukunft - insbesondere über Ethik - gesprochen, denn einerseits zieht das Suworow-Museum ins Areal und andererseits die Zukunftswerkstatt VITAO®LINTHPARK unter Schirmherr Prof. Dr. Joachim Kohlhof, welche eine Orientierung zur Umkehr und Wandel in Familie, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik geben will. Dass all diese Unternehmungen Glarus Süd und insbesondere die Region Linthal aufwerten, zeigte der Informationstag eindrücklich."


Mittwoch, 4. Mai 2011
Altenpflegeeinrichtungen unter ethischen Gesichtspunkten zertifizieren.

Prof. Dr. Kohlhof, EthikColleg Mehren

Ein kürzlich geführtes Gespräch mit dem Geschäftsführer von Premiumeinrichtungen für betagte Mitbürger in Österreich, der Schweiz und Deutschland machte deutlich, dass für alle Annehmlichkeiten während des Aufenthaltes seiner "Kunden" in den angebotenen Luxusunterbringungen gedacht wurde, wie Golfanlagen, Hallenbäder, Tenniseinrichtungen, Reisemöglichkeiten, Finanzberatungen und Schönheitsfarmen. Für alles war gesorgt, großzügig und komfortabel, liebenswert und sicher war die Devise. Die Luxussenioren brauchten auf nichts zu verzichten, sie sollten in den Seniorenstiften genauso leben wie zu Hause.

Angesichts dieser herrlichen Aussichten in eine sichere Zukunft bis zum Tod war es eigentlich nur Zeitverschwendung, sich mit der menschlichen Würde eines alternden Anvertrauten oder eines Sterbenden unter ethischen Gesichtspunkten zu befassen. Alles wurde geboten nur nicht der Nachweis, dass die PflegekrÀfte (und nicht die Hostessen) dieser Heime auch einer würdegerechten Sterbebegleitung zu Diensten sind und die Menschen bis zu ihrem Ende in der Vielfalt ihrer Persönlichkeiten in Würde gerecht werden.

Was den meisten Einrichtungen fehlte, war der nachvollziehbare Beweis, dass es über Waschen, Essen und Säubern noch mehr gibt, was die Bedürfnisse eines kranken und schwachen Heimbewohners ausmacht.

Dieser fehlende Zertifizierungsaspekt wurde anerkanntermaßen von den meisten Einrichtungen bestätigt, wenngleich die Notwendigkeit - nicht zuletzt aus Kostengründen - infragegestellt wurde und bei voller Belegung der Häuser auch von der Notwendigkeit Abstand genommen wurde. Gleichwohl hielten die meisten Heimleitungen eine erfolgreiche Ethik-Zertifizierung für die Krönung ihrer Pflegearbeit im Umgang mit ihren Bewohnern. Und umgekehrt war es für Bewohner und solche, die es einmal werden wollen, ein wertvolles Auswahlkriterium gegenüber solchen Einrichtungen, die im Umgang mit pflegeethischer Behandlung ihrer Kunden eher einen großen Bogen machen.

Können angesichts des hohen Kosten-, Zeit- und Verwaltungsdrucks überhaupt pflegeethische Aspekte realisiert werden? Reicht es nicht aus, wenn der medizinische Dienst der Krankenkassen, oftmals nach vorheriger Terminabsprache mit den Heimen, "plötzlich und unerwartet" die Einrichtungen auf ihre qualitative, organisatorische und medizinische notwendige Arbeit hin kontrolliert und das Ergebnis als tragfähig anerkennt?

Das Ethik-Management setzt ein beanstandungsloses Qualitätsmanagement voraus. Es krönt gewissermaßen die Pflegearbeit und es setzt das Qualitätsmanagement daher nicht außer Kraft. Ein gutes und funktionierendes Qualitä€tsmanagement sagt noch gar nichts über den besonderen Umgang mit den Menschen und ihrer menschlichen Würde, ihrer Selbstbestimmung und ihrem seelischen Wohlbefinden aus. Nur letztere Kriterien sichern auf lange Sicht die Nachhaltigkeit und die Bestandssicherheit einer Pflegeeinrichtung im Markt. Potentielle Bewohner, die die von unserem Ethik Colleg definierten Ethikstandards (s. Ethik in der Altenpflege, dbb-verlag Berlin) immer mehr als Maßstab für ihre eigenen Erfüllungsansprüche anmelden, werden schließlich die richtige Wahl für ihre künftige Altersruhestätte treffen und sich nicht alleine mit der Frage aufhalten, ob Theaterveranstaltungen, 5-Gang Menüs und sportlicher Wettbewerb angebotener Freizeitgestaltungen im Vordergrund stehen. Erst die Implementierung eines soliden und nachprüfbaren Ethik-Management-Systems garantiert in höherem Maße eine altersgerechte und menschenwürdige Behandlung betroffener Senioren. Auch nach der Befragung betroffener, ja examinierter Pflegekräfte, fehlt es zumeist an Kenntnis, Willen und Erfahrung, sowie an der Schulungsbereitschaft vieler Träger und Heimleitungen, eine ethisch unterlegte Altenpflege auf Dauer zu gewährleisten.

Wir erheben nicht den Anspruch für alle Konflikte und schwierige Entscheidungssituationen die richtige Rezeptur anzubieten, aber wir sehen, dass die Auseinandersetzung mit ethischen Standards in der Altenpflege hilft, sich überhaupt mit dieser Thematik zu befassen und dabei die Erkenntnis zu gewinnen, dass auf einem wachsenden Zukunftsmarkt immer älter werdender Bevölkerungsteile die Vernachlässigung ethischer Aspekte das Überleben nicht zertifizierter Einrichtungen auf Dauer gefährdet. Vielleicht werden eines Tages die Sozialversicherungs- und Pflegeversicherungsträger die Höhe ihrer Transfersätze an Pflegeheime davon abhängig machen, in welchem Umfang auch ethische Standards in den Heimen tatsächlich realisiert und umgesetzt werden.

Häufig ist es in Senioreneinrichtungen genauso wie in den Wirtschaftsunternehmen auch: solange die Betten voll, die Zimmer oder Suiten belegt sind (oder der unternehmerische Umsatz grenzenlos steigt), besteht auch nicht die Einsicht, sich mit ethischen Standards auseinandersetzen zu müssen. Wenn der Wettbewerb der Pflegeeinrichtungen, d.h. der Kampf um die Belegung der Bettenkapazität einmal umgekehrt einsetzen sollte, dann haben die Verzichtsapostel schlechte Karten. Damit das aber nicht passiert, besteht für jedes Heim immer noch die Möglichkeit, durch ein Selbstaudit den eigenen Ethik-Standort zu ermitteln und im Falle festgestellter Defizite für entsprechende Abhilfe zu sorgen.

So gesehen dient der "Leitfaden für die Ethik in der Altenpflege" lediglich der eigenen Standortbestimmung. Das Selbstaudit oder das angebotene Fremdaudit sollen helfen, den gegenwärtigen Ist-Zustand einer Institution zu ermitteln, ihn zu protokollieren und mithilfe von Fragebögen an alle Beteiligten, die ermittelten Angaben zu verifizieren. Anschließend wird der jeweils erreichte Erfüllungsgrad eines Bewertungskriteriums festgestellt. Am Ende steht nach erfolgreicher Überprüfung und Bewertung aller Kriterien die Ethik-Zertifizierung. Diese Vorgehensweise führt zu mehr Transparenz und höherer Vergleichbarkeit der einzelnen Leistungsprofile.

Eigentlich war eine solche Orientierungshilfe längst überfällig: einmal für die Pflegebedürftigen selbst auf ihrer Suche nach einer für sie persönlich geeigneten Einrichtung als Garant für ein Stück objektivierter Lebensqualität insbesondere im Alter und zum anderen für Kostenträger, Ärzte und Pflegekassen beim Einschätzen von Einrichtungen, denen das Prädikat zuverlässig, kompetent und ethisch verantwortungsbewusst auch zusteht und nicht zuletzt für das Pflegemanagement selber, um ein positives feed back von allen Anspruchsgruppen zu erfahren.
Wenn man bedenkt, dass inzwischen viele klinische Einrichtungen auditiert und ohne Zertifizierung kaum noch existenzfähig sind, weil Krankenversicherungen häufig eine weitere Zusammenarbeit von einer erfolgreichen Zertifizierung zur Grundbedingung besserer Finanzausstattung machen, dann wird vielleicht eines Tages auch der Pflegeträger eine ethische Zertifizierung zur Grundbedingung erheben und sie zur Voraussetzung für eine nachhaltige Zusammenarbeit machen.

Joachim Kohlhof


DIENSTAG, 12. APRIL 2011
"ETHIK" - EINE THEORIE IM KOPF?
"ETHIK" - (nur) Eine Theorie Im Kopf?


Mail vom 12. April 2011

Lieber David,

ich will gerne auf die Einlassung des Lehrers antworten, der sich skeptisch über die Ethik ausgelassen und sie als eine "Theorie im Kopf" bezeichnet hat. Für mich ist es erschreckend festzustellen, mit welcher ignoranten Erkenntnishaltung Lehrer auf unsere Jugend entlassen werden, welche dann im weiteren Leben gegen alle Widerstände besseren Wissens vermittelt werden soll. Hier werden bereits die Probleme gesät, mit der sich später die Gesellschaft, die Wirtschaft, die Medien und die Wissenschaft auseinandersetzen müssen. Bereits das verharmlosende Plagiieren und die unwissenschaftliche Übernahme fremden Wissens zeigen einmal mehr, woran es in den Bildungseinrichtungen offensichtlich hapert.

Ethik ist keine Theorie im Kopf. Es hört sich zwar spaßig an und geht sofort in den Kopf rein, aber wie gefährlich solche Simplifizierungen sind, zeigt, dass solche proverbs ein Leben lang im Kopf verankert bleiben. Man bekommt diese Idee nicht mehr heraus. Alles ist zunächst immer graue Theorie, wenn sie nicht durch die Natur, Mitwelt oder Gesetzmäßigkeiten bestätigt wird.

Noch einmal:

Moral ist die - in einem bestimmten Sozialsystem, einer Gruppe / Organisation, einem Unternehmen, tatsächlich geltende und erzwingbare Norm. Moral spiegelt ein gesellschaftliches Niveau wider, welches zu einem bestimmten Zeitpunkt besteht. "Herrschende" Moral kann von einem bestimmten Partner, Gruppenmitglied, Teamangehörigen etc. verlangen, dass man sich nach den vorgegebenen bzw. herrschenden Prinzipien zu verhalten hat. Eine Fußballmannschaft, die eine hohe "Moral" zeigt, demonstriert, welche Werte für den Einsatz in diesem Spiel Geltung haben. Es geht um die Tatsächlichkeit, nicht um das Wünschens- oder Begehrenswerte.

Moral beschreibt also, welche Werte, Normen und Verhaltensweisen (Einsatz bis zum Umfallen) in einer Gemeinschaft / Gesellschaft wirklich, effektiv und tatsächlich gelten. Sie ist stets ein Ergebnis bestimmter historischer Lebens- und Machtprozesse. Diesbezüglich gibt es auch eine Moral in kriminellen Vereinigungen. Auch die Mafia kennt eine Moral, weil die dort geheiligten "Werte", die für alle Mitglieder gelten, tatsächlich praktiziert und umgesetzt werden müssen.

Was unterscheidet nun die "Ethik" als "Theorie im Kopf" gegenüber der oben beschriebenen Moral?

Der wesentliche Unterschied zwischen den häufig synonym verwendeten Begriffen von Moral und Ethik liegt darin, dass Ethik nach den Grundsätzen und Prinzipien für ein bestimmtes Verhalten fragt (auch nach den von der Mafia begangenen Morden und der damit praktizierten Moral). Ethik sucht nach der methodisch geleiteten Besinnung und Begründung auf die tatsächlich geltende Moral. Eine Begründung für unmoralisches Verhalten wird es daher aus ethischer Sicht bzw. mit ethischer Begründung nicht geben können. Ethisches Verhalten verlangt nach einer menschlichen Begründung. Insofern weichen beide Begriffe, wenn ihr zugrundeliegendes Verhalten nicht begründbar ist, erheblich voneinander ab.

Um in der Diktion des Lehrers zu bleiben, ist die Ethik die Lehre bzw. Theorie von der menschlichen Verantwortung mit dem Versuch, diese zu begründen. Ethik ist daher gefährlich. Sie verunsichert den handelnden und irritiert den Analysten. Sie setzt eine tiefe menschliche Erkenntnisfähigkeit voraus, das Verantwortungsvolle zu tun und das Richtige zu sagen. Ethik stellt in frage und prüft genau, welche Werte, Normen und menschliche Tugenden begründbar sind. Sie ist somit auch eine Reflexion über unser (Da)-Sein und unser menschliches Miteinander in den Kristallisationspunkten unserer menschlichen Sozialisation.

Aus dieser "Theorie im Kopf" dürfen dann auch die Wissensvermittler ableiten, ob sie der Ethik mehr als nur einen theoretischen Baustein in ihrem Lehrgebäude einräumen oder nicht.

Beste Grüße
Joachim


MONTAG, 11. APRIL 2011
Kleiner Lebensmerkzettel für "I am responsible"


1. Beachte, dass große Liebe und großer Erfolg immer mit großem Risiko verbunden sind.

2. Wenn Du verlierst, verliere nie die Lektion.

3. Habe stets Respekt vor Dir selbst, Respekt vor anderen und übernehme Verantwortung für Deine Taten.

4. Bedenke: nicht zu bekommen, was man will, ist manchmal ein großer Glücksfall.

5. Lerne die Regeln, damit Du sie richtig brechen kannst.

6. Lasse niemals einen kleinen Disput eine große Freundschaft zerstören.

7. Wenn Du feststellst, dass Du einen Fehler gemacht hast, ergreife sofort Maßnahmen, um ihn wieder gut zu machen.

8. Verbringe jeden Tag einige Zeit allein.

9. Bedenke, dass Schweigen manchmal die beste Antwort ist.

10. Lebe ein gutes ehrbares Leben. Wenn Du älter bist und zurückdenkst, wirst Du es noch einmal genießen können.

11. Eine liebevolle Atmosphäre in deinem Heim ist das Fundament für Dein Leben.

12. In Auseinandersetzungen mit Deinen Lieben sprich nur über die aktuelle Situation. Lasse die Vergangenheit ruhen.

13. Teile Dein Wissen mit anderen. Dies ist eine gute Möglichkeit, Unsterblichkeit zu erlangen.

14. Gehe sorgsam mit der Erde um. Begib Dich einmal im Jahr an einen Ort, an dem Du noch nie gewesen bist.

15. Bedenke, dass die beste Beziehung die ist, in der jeder Partner den anderen mehr liebt als Du brauchst.

16. Messe den Erfolg daran, was Du für ihn aufgeben musstest.

17. Widme dich der Liebe und dem Kochen mit ganzem Herzen.

18. Öffne der Veränderung Deine Arme, aber verliere Deine Werte nicht aus den Augen.

Prof. Dr. Joachim Kohlhof (aus einer Mail an David McLion)


Donnerstag, 24. Februar 2011
Wertediskussion, Wettbewerb, Korruption - Zusammenhänge erkennen!
Prof. Dr. Joachim Kohlhof
Schirmherr und Mentor der VITAO Ethic Community

Aus einem Mail vom 24.02.2011

(...) Hier noch ein kleiner aber nicht unwichtiger Beitrag zur Frage der Bedeutung der Korruption und eines funktionierenden Wettbewerbs in unserer Gesellschaft:

Im Zuge der gegenwärtigen Wertediskussion erscheinen die traditionellen kulturellen, humanen und unternehmerischen Werte die einzigen bestandskräftigen Komponenten zu sein, die die Veränderungen der gesamten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Welt überleben werden. In den nächsten Jahren und Jahrzehnten wird nichts mehr so bleiben, wie es einmal war. Wir erleben zur Zeit dramatische Veränderungen durch die technologische Entwicklungen, politische Umstürze, die zu gewaltigen Umwälzungen führen und den Dimensionen der vergangenen industriellen Revolution nicht unähnlich sind. Wir stecken noch in den Kinderschuhen einer Entwicklung, die wir noch gar nicht begonnen haben zu erahnen. "Mit dem einen Fuß im Marskanal, mit dem anderen im Neandertal", so singt es treffend Udo Lindenberg und meint damit auch, dass wir noch nicht begriffen haben, wo wir eigentlich stehen und was wir eigentlich wollen.

Welchen Nutzen wir aus der Pflege und der Aufrechterhaltung unserer ethischen Werte haben werden, wird uns erst am Ende dieses UmwÀlzungsprozesses deutlich werden. Natürlich brauchen wir ethische Standards, die nach Hans Küng ein verbindliches Wertegebäude in einer globalen Wirtschaft ermöglichen. Angesichts der drohenden revolutionären Veränderungen in der arabischen Welt, müssen wir mehr denn je Positionen einnehmen, die verlässlich, transparent und unumstößlich sind und damit der Welt deutlich machen, dass es Menschen und nationale Partner gibt, deren Wort noch zählt.

Um so wichtiger bedarf es wirtschaftsethischer Strukturen in unseren Ländern, die nicht von Kumpanei, Kungelei und Bestechlichkeit bestimmt sind, sondern von einem fairen Wettbewerb untereinander, der nur auf lange Sicht der Garant ist für eine positive gesellschaftliche Entwicklung. Viele Branchen zeichnen sich dadurch aus, dass sie nur über korruptive Machenschaften das Tempo ihrer Kursentwicklungen und Umsatzerfolge forcieren können und damit potentiellen Anlegern, feindlichen und willkommenen Ã?bernehmern und Heuschrecken demonstrieren, wie wertvoll ihr Unternehmen am Markt ist.

Deutschland rangiert nach einer Studie von Transparency International in der Hitliste korruptiver Staaten in Europa im vordersten Feld. Wenn Korruption verstanden wird als "heimlicher Missbrauch von anvertrauter Macht zum privaten Nutzen und Vorteil" (TI), dann gehören hier alle Spielarten kriminellen Vergehens hinein, die sich tagtäglich im politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Raum abspielen.

Wir sind bereits so weit, dass dieser Missbrauch nicht einmal mehr verheimlicht wird, sondern auf der Tagesordnung jeder öffentlichen Auftragsvergabe, jeder internationalen Akquisition in allen Teilen der Welt gehört. Die Revolutionen im arabischen Teil der Welt haben einmal mehr demonstriert, dass viele Gelder - auch die der Entwicklungshilfe - bei den Menschen offenbar vor Ort nicht ankommen, sondern auf den Konten der Machthaber landen, die Veruntreuungen in Milliardenhöhe gegen ihr Volk begangen haben. Nicht viel anders sind auch die Korruptionsvergehen im Inland zu bewerten. In einem Land, in dem vor nicht allzulanger Zeit noch Schmiergelder an Auftraggeber und Geschäftspartner als Betriebsausgaben behandelt wurden und damit die zu zahlende Einkommensteuer senkten, ist die Bestechung zum anerkannten Mittel geschäftstüchtigen Unternehmertums geworden. Große DAX-Unternehmen müssen sich immer wieder den Ermittlungen von Staatsanwaltschaften stellen, um entsprechende Vorwürfe auszuräumen.

Korruptionen entladen sich nicht nur in illegalen Transaktionen, sondern auch in gesetzliche Praktiken, wobei sie in letzteren als noch weniger unmoralisch empfunden werden. Korruptionsanfällig sind alle wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereiche. Diese finden sich bei den politischen Amtsträgern in den Amtsstuben und Regierungspalästen ebenso wie in den Fluren öffentlicher Verwaltungen bis hin zu den Verstrickungen in der Bauindustrie, der Rüstungsindustrie und aller anderen nicht namentlich erwähnten Wirtschaftsbereiche.

Korruption wird vielfach nicht als kollektives Übel angesehen, durch das das wirtschaftliche Wachstum gehemmt und nicht beflügelt wird, sondern persönliche Vorteilnahme lässt jedes Gespür für die damit verbundene Aussetzung wettbewerbsbewusster Regeln außer Kraft setzen. Bei der Korruption geht es um Vorteile, die sich Unternehmen oder Personen aneignen, indem sie meist praeter legem Ausnahmen, Gefällgigkeiten oder Begünstigungen jedweder Art vereinnahmen oder einfordern. Die Liste dieser Anreize für die Entgegennahme von Gefälligkeiten ist so umfangreich, wie der Wunschkatalog von Menschen nur sein kann. Umgekehrt wird von den Empfängern dieser fringe benefits ein Wohlverhalten eingefordert, dass den Bestechenden die wirtschaftlichen, persönlichen oder gesellschaftlichen Vorteile verschafft. Das Spektrum der Annehmlichkeiten reicht von Geldzuwendungen bis hin zu akademischen Würden.

Allen Korruptionsversuchen ist gemeinsam, dass die Akteure, staatliche wie private, zu Lasten unbeteiligter Dritte, also praktisch zu Lasten der Mitbewerber im Markt, handeln. Wettbewerb wird durch Korruption eingeschränkt. Er kann sich nicht über Konditionen, Qualitätsofferten und Preise so entfalten, wie es der Markt eigentlich fordert. Wenn also der Wettbewerb eingeschränkt oder gar behindert wird, werden interne Kosten nach außen hin verlagert, d.h. externalisiert und private oder unternehmerische Vorteilnahmen werden zu Lasten eines gleichen Wettbewerbs auf die Allgemeinheit umgelegt. Die Allgemeinheit bzw. die Mitbewerber tragen die Lasten des entgangenen Wettbewerbsvorteils. Es steigt bei gleichen Leistungen - staatlichen wie privaten - die Abgabenlast oder umgekehrt, sinkt bei gleicher Abgabenlast die staatliche oder private Leistung. Die den Wettbewerb auszeichnende Planungssicherheit entfällt oder wird zumindest stark eingeschränkt und die Legitimität des Staatsapparates und die Produktivität privater Wirtschaftsleistungen werden untergraben bzw. eingeschränkt. Beides schreckt ehrliche Investoren entweder ab oder zieht auch sie in den Bann korruptiven Geschäftsgebarens. Die Folgen dieser Verhaltensweisen sind, dass in toto betrachtet, Wohlstand und Beschäftigung zurückgehen, weil nicht an auskömmlichen Preisen orientierte Mitbewerber im Markt Berücksichtigung finden und Beschäftigte entlassen oder sie ganz vom Markt verschwinden müssen. Unter diesem Aspekt wird deutlich, wie wichtig die Implementierung von Ethik-Managementsystemen in kleinen und großen Unternehmen sind, um nachhaltig Korruption aus den geschäftsstrategischen Überlegungen zu eliminieren.

Korruption als ethischer Unwert wird für die meisten Akteure nur dann zum Problem, wenn sie nicht geheimgehalten werden kann und dann strafrechtlich verfolgt wird. Sehr viele spektakuläre Beispiele in der jüngsten Vergangenheit haben immer wieder den Sumpf schwarzer Kassen und geheimer Konten aufgedeckt, mit denen die Unternehmen glaubten, dem Wettbewerb ein Schnippchen zu schlagen und am Ende einen unermeßlichen Schaden für sich, ihr Unternehmen und das ganze Land heraufbeschworen haben. Bisher waren die Medien die Korruptionswächter. Politische Instanzen haben sich nolens volens nur noch in der Abwehr öffentlich bekannt gewordener korruptiver Unterstellungen üben können, aber nichts oder nur wenig zu ihrer Beseitigung oder Bekämpfung beigetragen. Im Gegenteil. Ihre Kontrollfunktion hat völlig versagt und wird kaum noch von der Bevölkerung ernst genommen.

Korruption ist kein Kavaliersdelikt. Es ist ein strafbarer Vorgang, bei dem die Beteiligten möglichst dazu verdonnert werden, dicht zu halten. Es ist empirisch längst erwiesen, dass Korruption sich längerfristig immer negativ auf Investitionen und damit Beschäftigung auswirkt. Ergebnisse aus dieser Erkenntnis blieben jedoch bis heute unbeachtet.

Soziale Netzwerke können helfen, Korruption einzudämmen. Je offener und transparenter soziale Gruppen in der Lage sind, gegen ethische Verwerfungen vorzugehen und korrupte Machenschaften zu verhindern, desto geringer wird auch die Angriffsfläche für Korruption sein. Soziale und ethische Kompetenzen in unserer Gesellschaft und in unseren Wirtschaftsunternehmen werden immer mehr zum Gradmesser für weniger korrupte Handlunsnechanismen und für einen und fairen Umgang im Wirtschaftsleben.

In diesem Geist wird auch das Netzwerk von VITAO einen Meilenstein setzen, der das VITAO verpflichtende Wertegefüge in einer Welt deutlich macht, die es verdient, dass alles unternommen wird, damit unsere Zukunft wieder menschen-, anstands- und sachgerecht gestaltet wird.

(...)


Aus einem Mail vom 18.02.2011

(...) Hier spontan ein good news Beitrag:
Vor einiger Zeit gab es eine Studie von Ernst & Young zum Thema :

Mit Verantwortung zum Erfolg

Unternehmen, die gesellschaftliche Verantwortung zeigen, haben ausserordentlich positive Rückkoppelungseffekte. Sie zeichnen sich meist durch die Unterstützung sozialer Engagements aus und haben in der Regel ein überdurchschnittliches betriebliches Wachstum.

Verantwortung zu übernehmen wird dabei zur wesentlichen Triebfeder des eigenen unternehmerischen Erfolges. Geschäftsprozesse werden optimiert und der Bekanntheitsgrad erheblich gesteigert, ohne hierfür eigene Werbemittel einsetzen zu müssen.

Es geht in der Wahrnehmung von Ethikmanagement im Unternehmen nicht einmal um hohe Sach- und Geldspenden, sondern um die Bereitschaft, sich an zukunftsträchtigen sozialen, kulturellen, karitativen, wissenschaftlichen Projekten zu beteiligen, Humankapital und Sozialkapital hierfür bereitzustellen und diese Projekte nachhaltig zu begleiten.

So unterstützen inzwischen von 100 untersuchten Unternehmen (lt. E&Y) 57% der befragten Unternehmen Forschungs- und Bildungseinrichtungen und Bildungsfonds für Schüler und Studenten bis hin zu Föderprogrammen für gesunde Ernährung und Kindertagesstätten. Über 2/3 der Unternehmensleitungen sind davon fest überzeugt, dass sich verantwortungsbewusstes und damit auch soziales Verhalten, immer positiv ausbezahlt, weil es meist mit den eigenen Geschäften und Verbindungen zusammenhängt. Mehr als die Hälfte aller Unternehmen erwarten positive Synnergieeffekte aus ihren firmeneigenen Aktivitä€ten und sie erhoffen sich zugleich bessere Netzwerke auch zu unternehmensfremden Arbeiten und Dienstleistungen.

Unstreitig ist, dass durch die offenkundige gesellschaftliche Verantwortung die Attraktivität der Unternehmen als potentielle Auftrag- und Arbeitgeber steigt und für künftige high potentials, exzellente Bewerber und interessante Kunden ein gesuchter Geschäftspartner wird. Denn immer mehr Anspruchsgruppen in Gesellschaft und Wirtschaft neigen dazu, vom sozialen Einsatz ihres "Partners" auch auf dessen Unternehmenskultur zu schließen und damit auch auf sein partnerschaftsgerechtes Arbeits- und Vertragsklima.

In den Unternehmen allerdings, wo die Klugheit fehlt, da hilft dann nur noch die schlechte Erfahrung.
Um diese zu vermeiden, sollten sich die Unternehmen in einem Selbstaudit die Fragen stellen:

" Wo liegen die Ziele und Prioritäten Ihres Unternehmens?
" Wo nehmen Sie moralische Defizite wahr?
" Wie moralisch integer sind Führungskräfte und Mitarbeiter?
" Was erwarten ihre Kunden in moralischen Belangen?
" Wie werden Unternehmen in der Öffentlichkeit hinsichtlich ihrer moralischen Integrität beurteilt?

Nach dieser Bestandsaufnahme erfolgt die Erarbeitung eines ethisch fundierten Unternehmensleitbildes und mündet in einen Maßnahmekatalog ein zur Förderung der Wertorientierung. Zur Abrundung eines sich nach ethischen Kriterien selbstverpflichtenden Unternehmens müssen Möglichkeiten der Prüfung und der Sanktionierung aufgezeigt werden. Erst dann ist der Weg frei für ein Untnernehmen, das sich dem hohen Wertgefüge eines moralisch und ethisch einwandfreien Wirtschaftspartners stellen kann.

Diese kurze Skizzierung verdeutlicht einmal mehr, dass ein Unternehmen mit einem hohen gesellschaftlichen Verantwortungsbewusstsein sich nicht leichtfertig auf die pünktliche Zahlung von Steuern oder einiger Geldspenden zurückziehen kann, sondern in hohem Maße sich die reputative Wertschätzung der Öffentlichkeit erst auf Dauer verdienen muss. Dann ist es im wahrsten Sinne des Wortes ein good citizen und responsible. Am Ende eines derartigen Prozesses ist eine Zertifizierung ethischen Unternehmensmanagements möglich und sie krönt zugleich die hohe Wertschätzung die ein ethikzertifiziertes Unternehmen bei Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten, in Staat und Gesellschaft genießt.

Joachim Kohlhof


FREITAG, 18. FEBRUAR 2011
"I am responsible" - die Herausforderung!


Verantwortung verpflichtet. Mit diesem "Slogan" treten mehr oder weniger prominente Zeitgenossen an die Öffentlichkeit und erschlagen damit jedes entgegenstehende Argument. Sie nehmen nicht zur Kenntnis oder wollen nicht verinnerlichen, dass zur Übernahme von Verantwortung der ernsthafte Wille vorhanden sein muss, die eigene Verantwortung zu erkennen, sie ernsthaft zu leben und notwendige Konsequenzen zu ziehen, wenn er sich ihr stellen muss.

Ver-antwort-ung enthält das Wort Antwort. Worauf gibt der Träger von Verantwortung nun die adäquate Antwort?

Voraussetzung zur Übernahme von Verantwortung ist die persönliche Befähigung, verantwortlich zu sein und sich verantwortlich zu fühlen. Wer hier schon Schwierigkeiten hat, sollte sich der ihm angedienten bzw. übertragenen Verantwortung gar nicht erst stellen. Nur wer verantwortlich sein will, kann auch Verantwortung tragen. Und nur dann kann er auch verantwortbare Handlungen, Ziele und Maßnahmen treffen und sie mit anderen kommunizieren.

Wer Verantwortung also tragen will und diese als berechtigt anerkennt und danach lebt und handelt, muss Antwort geben können auf das, was er denkt, was er sagt und was er tut. Leider finden wir in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik in Permanenz eine enorme Diskrepanz, weil ethische Asymmetrien unser Leben bestimmen. Wer Verantwortung in allen Lebensbereichen übernimmt, muss sich als verantwortlich erweisen und für das was er anstrebt, als verantwortbar vertreten.

Im Unternehmensbereich gehören hierzu die Definierung
" verantwortbarer Unternehmensziele, eine
" verantwortbare Mitarbeiterführung und schließlich eine
" verantwortbare Außenbeziehung zu Kunden, Lieferanten und Gesellschaft.

Leider beobachten wir eine weite Verbreitung von Verantwortungslosigkeit bis in die Spitzenpositionen von Wirtschaft und Gesellschaft. Niemand ist mehr bereit, für seine persönlichen Vergehen Rechenschaft abzugeben, wenn ihn der Staatsanwalt nicht hierzu auffordert. Diese Vergehen sind entweder offenkundig oder sehr subtil. Solange die Öffentlichkeit nicht Anstoß nimmt, gehen die Vergehen weiter, insbesondere dann, wenn die Presse hierzu schweigt.

Angesichts der unzählbaren Fülle dolosen und verantwortungslosen Handelns sticht allerdings die Einlassung eines jüngsten Politstars besonders negativ hervor, die nachgewiesen unwissenschaftliche Erstellung einer Dissertation in aller Öffentlichkeit als abstrus zu beantworten. Im Kontext der oben erwähnten Interpretation der Verantwortung, erscheint eine solche "Antwort" als unglaublich.

Wenn ein ausgebildeter Jurist wissentlich eine eidesstattliche Erklärung unter seine fertiggestellte Dissertation unterschreibt mit folgendem Wortlaut: Hiermit erkläre ich ehrenwörtlich, dass ich die vorgelegte Arbeit ohne fremde Hilfe verfasst, hierzu keine anderen als die im Schriftenverzeichnis der Arbeit angegebene Quellen benutzt und noch an keiner andere Hochschule zu Studien- und Prüfzwecken vorgelegt habe, dann handelt es sich um eine vorsätzliche Täuschung. Wenn die alma mater nicht in den Ruf pseudopolitischer Abhängigkeit geraten will, bleibt nur die Aberkennung des Doktorats oder anderer erschlichener akademischen Würde. Widrigenfalls gehört diese Hochschule dann im Ranking aller anderen Hochschulen ans Ende der Hitliste.

Seien wir also vorsichtig mit dem leichtfertigen Umgang anvertrauter Verantwortung. VITAO weiß um diese Problematik und fordert die tägliche Umsetzung einer nachvollziehbaren Verantwortungsethik, die nicht an den Schranken von Geld und Kapital, von Politik und Macht, von Medien und Gesellschaft halt macht. Auch und insbesondere stellt uns unsere Kampagne "Die Welt schaut auf Glarus" Ethik- und Demokratie-Verständnis als Standortbestimmung vor eine grosse Verantwortung. Denn es ist nicht auszuschliessen, dass potentielle Mitglieder davon ausgehen, dass es sich hierbei mehr oder weniger um einen Werbeslogan handelt.

Vielleicht fangen wir eines Tages an zu begreifen, dass sich unethisches und damit unverantwortliches Handeln rächt und dass Verantwortung kein Aufwand bedeutet, sondern Ertrag. In Anlehnung an Alexis von Tocqueville sollten wir uns stets vor Augen halten, dass nicht nur das Nützliche ehrenwert ist, sondern auch das Ehrenwerte nützlich sein kann.

Joachim Kohlhof


18. Feb 2011 11:58
Erbitte einen Good News Artikel


Lieber David,

hier spontan ein good news Beitrag:

Vor einiger Zeit gab es eine Studie von Ernst & Young zum Thema : Mit Verantwortung zum Erfolg

Unternehmen, die gesellschaftliche Verantwortung zeigen, haben außerordentlich positive Rückkoppelungseffekte. Sie zeichnen sich meist durch die Unterstützung sozialer Engagements aus und haben in der Regel ein überdurchschnittliches betriebliches Wachstum. Verantwortung zu übernehmen wird dabei zur wesentlichen Triebfeder des eigenen unternehmerischen Erfolges. Geschäftsprozesse werden optimiert und der Bekanntheitsgrad erheblich gesteigert, ohne hierfür eigene Werbemittel einsetzen zu müssen. Es geht in der Wahrnehmung von Ethikmanagement im Unternehmen nicht einmal um hohe Sach- und Geldspenden, sondern um die Bereitschaft, sich an zukunftsträchtigen sozialen, kulturellen, karitativen, wissenschaftlichen Projekten zu beteiligen, Humankapital und Sozialkapital hierfür bereitzustellen und diese Projekte nachhaltig zu begleiten. So unterstützen inzwischen von 100 untersuchten Unternehmen (lt. E&Y) 57% der befragten Unternehmen Forschungs- und Bildungseinrichtungen und Bildungsfonds für Schüler und Studenten bis hin zu Förderprogrammen für gesunde Ernährung und Kindertagesstätten. Über 2/3 der Unternehmensleitungen sind davon fest überzeugt, dass sich verantwortungsbewusstes und damit auch soziales Verhalten, immer positiv ausbezahlt, weil es meist mit den eigenen Geschäften und Verbindungen zusammenhängt. Mehr als die Hälfte aller Unternehmen erwarten positive Synnergieeffekte aus ihren firmeneigenen Aktivitäten und sie erhoffen sich zugleich bessere Netzwerke auch zu unternehmensfremden Arbeiten und Dienstleistungen.
Unstreitig ist, dass durch die offenkundige gesellschaftliche Verantwortung die Attraktivität der Unternehmen als potentielle Auftrag- und Arbeitgeber steigt und für künftige high potentials,exzellente Bewerber und interessante Kunden ein gesuchter Geschäftspartner wird. Denn immer mehr Anspruchsgruppen in Gesellschaft und Wirtschaft neigen dazu, vom sozialen Einsatz ihres "Partners" auch auf dessen Unternehmenskultur zu schließen und damit auch auf sein partnerschaftsgerechtes Arbeits- und Vertragsklima.

In den Unternehmen allerdings, wo die Klugheit fehlt, da hilft dann nur noch die schlechte Erfahrung.

Um diese zu vermeiden, sollten sich die Unternehmen in einem Selbstaudit die Fragen stellen:
Wo liegen die Ziele und Prioritäten Ihres Unternehmens?
Wo nehmen Sie moralische Defizite wahr?
Wie moralisch integer sind Führungskräfte und Mitarbeiter?
Was erwarten Ihre Kunden in moralischen belangen?
Wie werden Unternehmen in der Öffentlichkeit hinsichtlich ihrer moralischen Integrität beurteilt?

Nach dieser Bestandsaufnahme erfolgt die Erarbeitung eines ethisch fundierten Unternehmensleitbildes und mündet in einen Maßnahmekatalog ein zur Förderung der Wertorientierung. Zur Abrundung eines sich nach ethischen Kriterien selbstverpflichtenden Unternehmens müssen Möglichkeiten der Prüfung und der Sanktionierung aufgezeigt werden. Erst dann ist der Weg frei für ein Unternehmen, dass sich dem hohen Wertgefüge eines moralisch und ethisch einwandfreien Wirtschaftspartners stellen kann.


Diese kurze Skizzierung verdeutlicht einmal mehr, dass ein Unternehmen mit einem hohen gesellschaftlichen Verantwortungsbewusstsein sich nicht leichtfertig auf die pünktliche Zahlung von Steuern oder einiger Geldspenden zurückziehen kann, sondern in hohem Maße sich die reputative Wertschätzung der Öffentlichkeit erst auf Dauer verdienen muss. Dann ist es im wahrsten Sinne des Wortes ein good citizen und responsible. Am Ende eines derartigen prozesses ist eine zertifizierung ethischen Unternehmensmanagements möglich und sie krönt zugleich die hohe Wertschätzung die ein ethikzertifiziertes Unternehmen bei Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten, in Staat und Gesellschaft genießt.

Beste Grüße

Joachim

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"VITAO" <david.mclion@gmail.com> schrieb:

Lieber Joachim,
gerne hätte ich ausbalancierend zu den zeitkritischen Beiträgen einen oder mehrere positiv stimmende, mutmachende Beiträge zu unserem Thema. Beispielsweise nach dem Motto von Pater Brantschens Buchtitel: "Über den Vorteil gut zu sein" (oder so ähnlich, habe den Titel nicht genau in Erinnerung). Was fällt Dir dazu ein? Erfahrungen bei der Zertifizierung der Brauerei vielleicht. Was hat sie schlussendlich an Vorteilen daraus ziehen können? Wir sollten sehen, dass die klaren Vorteile kurz und glaubwürdig zu erkennen sind. Was meinst Du dazu? Hast Du spontan was auf Lager?
Herzlichst,
David


Mittwoch, 16. Februar 2011
Steht Ethik der Gewinnerzielung im Wege?

Prof. Dr. Joachim Kohlhof
Schirmherr der Ethic-Community

Aus einem Mail vom 16.02.2011

(…) Steht die Ethik der Gewinnerzielung im Wege oder hilft sie ihr, diese eventuell sogar langfristig zu steigern?

Diese Frage taucht in vielen Diskussionen auf und lässt bei den meisten Diskutanten den Eindruck entstehen, dass man als Unternehmer mit Rücksicht auf ethische Handlungsmaxime nicht mehr den unternehmerischen Freiraum besitzt, der erforderlich ist, um erfolgreich im Markt zu bestehen. Diese irrige Ansicht hat sich durch unkluge und völlig deplazierte Überlegungen bei vielen Unternehmen und Unternehmern manifestiert und es ist schwer, immer wieder dieses Vorurteil auszuräumen.

Worum geht es in der Unternehmensethik?

Grundsätzlich wird für den Markt produziert und dieser wird von Menschen gestaltet: weder von Maschinen, noch von Systemen und auch nicht von Außerirdischen. Der Mensch steht und bleibt im Mittelpunkt des wirtschaftlichen Geschehens und das ist gut so. Wirtschaften ist nicht Selbstzweck, sondern dient ausschließ?lich uns, den Menschen - und zu seinem Wohl und nicht seinem Untergang.

Die moralische Orientierung des Unternehmens setzt zwangsläufig unternehmerischen Freiraum voraus. Ein Unternehmen, das behauptet, nur unter dem Diktat der Sachzwänge zu produzieren oder zu wirtschaften, hat bereits seine moralische Kompetenz verspielt. Natürlich bestehen in einem Wirtschaftssystem Vernetzungen und Abhängigkeiten, die Grenzen ziehen, die das Unternehmen respektieren muss und nicht ohne weiteres überschreiten kann. Dies enthebt es aber nicht, bei der Wahl seiner Mittel die Gebote verantwortlichen Unternehmenshandelns ausser Acht zu lassen.

Es geht bei der Gewinnerzielung unter ethischen Aspekten nicht um die Hähe des Gewinns oder der erzielten Rendite, sondern um die Mittelwahl, wie und mit welchen Mitteln dieser Unternehmensgewinn erzielt wird.

Der Unternehmensgewinn bildet erst die Voraussetzung, am Markt zu bestehen und sich unternehmensethischen Fragen zu stellen. Die Ethik steht also nicht konträr der Gewinnerzielung entgegen, sondern begleitet sie und beflügelt sie sogar unter der angemessenen und menschenwürdigen Mittelwahl, den größtmöglichen, d.h. unter ethischen Aspekten, den angemessenen Gewinn nachhaltig zu erzielen.

Mit der Ethik gewinnt das Unternehmen völlig neue Perspektiven. Es gewinnt den Respekt, die Achtung und die Wertschätzung von Kunden und Lieferanten hinzu und gestaltet sich als ein Partner, der in hohem Maße sich "symmetrisch" verhält: Er hält das ein, was er verabredet und sagt das, was er denkt. Dies macht ihn im wahrsten Sinne zu einem ethischen Unternehmer, der am Ende nur gewinnen kann und nicht verlieren muss. So gesehen ist der unternehmerische Freiraum die Grundbedingung für die Wahrnehmung ethischer Anliegen und moralischer Orientierung im eigenen Unternehmen.

Ohne auf theologische Weisheiten einzugehen, die immer gerne bemüht werden, um den Erfolg der "Werkstatt Kirche" zu beweisen, ist unstreitig, dass nur mit dem arbeitenden Menschen - und nicht gegen ihn - eine menschengerechte Arbeitswelt gelingen kann. Wer agrarindustrielle Massen-hühnerhaltung seinen Mitarbeitern als tiergerecht verkaufen will, hat nur dann kein Problem dies umzusetzen, wenn er z.B. Druck auf seine Mitarbeiter zur deren Arbeitsplatzerhaltung ausübt. Wer in Bangladesh als Kleiderdiscounter Kinderkleider von einheimischen Schneidern in Massenmenschhaltung zuschneidern lässt und sie in Wochenarbeit von 6 Tagen mit täglich 9 Stunden und einem Stundenlohn von kaum mehr als 0,20 Euro pro Stunde bei einer Tagesproduktion von 2500 Kinderjeans arbeiten lässt, kann kaum als ein unternehmerischer Zeitgenosse behandelt werden, dem der Respekt und die Verantwortung für seine Mitarbeiter positiv angerechnet werden kann. Es ist eher der Beweis, wie die menschliche Würde auf dem Altar wirtschaftlicher Ausbeutung geopfert wird. Hier klafft die ganze Spannweite des menschenwürdigen und menschenverachtenden Unternehmertums auseinander.

Was wirtschaftlich machbar ist, muss auch stets eine moralische Dimension haben. Diese darf und kann nicht ignoriert werden. Beides, die Ökonomie und die Ethik gehen eine Symbiose ein, die für alle Beteiligte in eine Verträglichkeit führt, die für Mitarbeiter und Kunden nur gemeinsame Vorteile hat. Wer dies missachtet, negiert die Notwendigkeit, sich mit ethischen Fragen in der Wirtschaft auseinanderzusetzen. Er übersieht deren positive Wirkung auf die Gewinnerzielung und verkennt die Rolle des Unternehmertums für die menschliche Gesellschaft.

Nochmals, es geht nicht um Verzicht oder um Verluste, sondern es geht um ein positives Bewusstsein, dass nicht diejenigen bestraft werden, die sich im Wirtschaftsleben an ethische Gebote der Menschlichkeit halten. Nur daraus werden langfristig Vorteile gewonnen, die den geschöpf- und menschenverachtenden Wettbewerbern verborgen bleiben.

Joachim Kohlhof


15. Feb 2011 14:28
Bankenethik

Einige Gedanken zur Bankenethik, die mich bewegen.

Bislang haben die Geldhäuser einen weiten Bogen um die Bankenethik gemacht. Hypertone Bankengewinne und ungerechtfertigte Gehaltsexzesse bildeten die Schlagzeilen in unseren Gazetten und hatten mit ethischer Unterlegung wenig zu tun. Die Finanzkrise war ein Produkt aus ungezügeltem Machtbewusstsein, unverantwortlicher Spekulation und einem Wettfieber, das nur auf Rennbahnen oder Spielcasinos seines Gleichen suchte. Die Banken waren weit davon entfernt, der Gesellschaft, aus der die Gewinne abgesogen wurden auch einen Teil ihrer finanziellen Beute zurückzugeben. Die Verunsicherungen, die finanziellen Schäden und die Forderungsausfälle wurden sozialisiert, während die Gewinne eingeheimst, d.h. privatisiert wurden. Die Finanzinstitute scherten sich wenig um ihren lokalen und regionalen gesellschaftlichen Auftrag, weil sie ihre exorbitanten Gewinne aus dem Äther globaler Vernetzung von Investmentbanking, Rohstoffspekulation und dubiosem Derivatehandel bezogen. Für ethische Überlegungen war kein Platz. Solange diese "Wetten,dass" Mentalität anhielt und das Glück den Spielern hold blieb, blieb auch die Ethik außen vor. Hinzu kam, dass im Euro-Bereich die Fehler der Banken kaschiert, schlechte assets ausgegliedert und neues Spielmaterial über die Europolitik bereitgestellt wurden. Die Syncronisation von krisengeschütteltem Bankenmanagement und politischer Willfährigkeit war perfekt. Die Banken haben bis heute die EU als Zugpferd ihrer persönlicher Interessen zu nutzen gewusst. Auch hier fand eine Sozialisierung der Kosten der Finanzkrise und die Privatisierung des zur Verfügung gestellten Nutzens statt. Die Folge ist die latente Erschütterung der Geldwertstabilität des Euro, der im Wettbewerb mit neu auf dem Geld- und Kapitalmarkt drängenden Währungen, weiter Federn lassen wird. Haben wir eigentlich nicht begriffen, was jahrzehnte lang die Bundesbank mit großem Erfolg praktizierte, nämlich durch ein hohes Stabilitätsbewusstsein für die Deutsche Mark, diese als Quasi-Reservewährung in der Welt zu etablieren, während wir unter der Ägide der EZB beginnen, die zweit wichtigste Rolle des Euro auf den Weltmärkten als stabilen Anker für Geldanlagen und Import-Exportkalkulationen zu verspielen, trachten? Der Geist der Bundesbank weht schon lange nicht mehr in den Räumen der Währungshüter. Nur so ist es zu erklären, dass einer der letzten Promotoren für eine stabile Leitwährung nicht bereit ist, das Amt eines EZB-Präsidenten anzutreten, weil ihm die Gefolgschaft für eine stringente Geld- und Währungspolitik versagt bleibt. In diese Landschaft passt dann auch die Verkündung, dass noch mehr Geld für mögliche internationale Bankpleiten und für den Kauf von Eurobonds bereit zu stellen, damit die Verschuldungspolitik leichtblütiger Mitgliedsländer nicht behindert wird. Gerade in dieser schwierigen Zeit wäre es wünschenwert gewesen, Protagonisten der unumstößlichen Vermeidung inflationsbedingter Gefahren an der Spitze einer europäischen Institution zu wissen, der es ernsthaft um die Sorge der Geldwertstabilität des Euro geht. In der Tat, eine verpasste Chance, die andere Länder zu nutzen wissen, die großzügiger mit der notwendigen Stringenz preisstabiler Wirtschafts- und Wachstumsfaktoren umzugehen verstehen. Der Euro wird nie so stark sein, wie es die stärkste Nation durch ihre Wirtschaftsdaten ermöglichen könnte, sondern immer nur so schwach sein, wie es die schwächsten Nationen, sprich die verschuldungsfreundlichsten Mitgliedsländer, zulassen. Die Souveränität der einzelnen Mitgliedsländer gestattet ihnen, auf diskretionäre Hinweise der auf Sicherheit und Stabilität bedachten Partner nur mit den Instrumenten zu antworten, wie es die jeweilige eigene Bevölkerung zulässt. Diese Gradwanderung ist natürlich schwierig, sie hat aber die Politik bis heute nicht veranlasst, dafür zu sorgen, dass diesem unseligen Treiben, um mehr Nehmen als Geben, ein Ende gesetzt wird.

Was sich auf den Finanzmärkten ausgetobt hat und noch weiter austoben wird, beginnt sich in der Lebensmittelbranche fortzusetzen, die in eine zügellose international gesteuerte Preistreiberei mit hohem spekulativen Charakter zur Zeit mündet und zu entarten droht. Kein Bereich gesellschaftlichen Zusammenlebens scheint davor geschützt zu sein, nicht zum Gegenstand wilder und den mMnschen verachtender Spekulation zu werden.

So ist es umso begrüßenswerter, wenn ein ganzer Kanton beginnt, sich auf seine ethischen Wurzeln zu besinnen und Vorbild für Regionen in anderen Ländern zu werden.Was bei klugen Banken und bei einigen wenigen politischen Verantwortungsträgern zu fruchten scheint, wäre der Beginn einer neuen Denkhaltung, die für uns alle das Überleben sichert. Wenn schon diejenigen, die zwar für die angetretene Verantwortungsübernahme hoch bezahlt werden aber nicht ihrer Ämter würdig sind, so ist es jedenfalls um ein Vielfaches ehrenvoller auch im Kleinen zu versuchen, Schaden von der Gesellschaft und den Mitbürgern auf jede erdenkliche Weise fern zuhalten. Dazu dient auch unser Projekt.

Joachim Kohlhof


DONNERSTAG, 13. JANUAR 2011
Was ist ein guter Ruf wert? Kommentar von Dr. Joachim Kohlhof


In wenigen Sekunden ist der gute Ruf eines Unternehmens verspielt und es braucht Jahre, um das gute Image eines Unternehmens wieder zurückzugewinnen. Wir erleben täglich wie im Markt durchaus erfolgreiche Konzerne gegen ihren schlechten Ruf kämpfen und Imagekampagnen starten in Millionenhöhe, nicht etwa um Produkte an den Mann zu bringen und diese zu verkaufen, sondern allein um das personelle Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit in ein besseres Licht zu rücken.

Dies ist bei der Deutschen Bank ebenso der Fall wie bei der DB, Siemens und anderen. Alleine die Werbebotschaften in den Neujahrsausgaben großer Tages- und Wochenzeitungen haben eine Unmenge Geld geschluckt, um den ramponierten Ruf skandalgebeutelter Unternehmen wiederherzustellen. Siemens hat dafür eigens Herrn Theo Weigel mit hohem Honorar eingestellt, damit der Return on Ethics (ROE) bei Siemens ein positives Vorzeichen erhält.

Moralisches Handeln heißt nicht unprofitables Handeln. Im Gegenteil. Ein Unternehmen, das neben seinen ökonomischen Hausaufgaben auch ethische Aufgaben im weitesten Sinn erfüllt, erhöht seine Reputation im Markt. Der gute Ruf hilft bei der weiteren Markterschließung und in der Verbesserung des Kundenvertrauens. Reputation schafft Akzeptanz auch in der Preispolitik, im Verkauf und in der Kapitalbeschaffung und dient letztlich auch in der Gewinnung guten und qualifizierten Personals und "hungriger" Nachwuchskräfte.

Junger, nachhaltig denkender, qualifizierter Nachwuchs will mit Unternehmen, die sich mit unlauteren Geschäftspraktiken über Wasser halten auf Dauer nichts zu tun haben. Hier findet die Selektion nicht mehr von oben nach unten, sondern von unten nach oben statt.

Ein guter Ruf bereitet auch den Weg zu höherer Motivation und lässt den Wert der eigenen Arbeit in einem sinnvolleren Licht erscheinen. Führungsverantwortliche, die bis heute diesen Zusammenhang nicht begriffen haben, werden es in Zukunft schwieriger haben, sich wirtschaftlich, personell, sozial und ökologisch im Markt zu behaupten. Einige weitsichtige Wirtschaftsführer haben diesen Zusammenhang erkannt und entsprechende Weichen gestellt. Moral, so gesehen, darf sich also rechnen und wird sich rechnen.

Prof. Dr. Joachim Kohlhof


12. Jan 2011 10:23

Lieber David,

danke für Deine strategische Aussage zu Deinem weiteren bzw. bisherigen Vorgehen. Natürlich ist mir diese Vorgehensweise fremd und möglicherweise wird sie erfolgreich sein, so wie ich es mir mit meinem eigenen Projekt, der Ethikzertifizierung, nur erträumt hätte. Gleichwohl stehe ich Deiner Strategie etwas unbeholfen gegenüber, weil ich diese Power nicht kenne und sie mir bisher gefehlt hat. Ich stand eher auf missionarischem Posten und damit nach Deiner Einschätzung auf der weniger erfolgreichen Seite.

Ein chinesisches Sprichwort sagt auch, man muss einen bestimmten Weg soweit gehen, dass der Nachfolger nicht mehr zurück kann. An diese Weisheit habe ich mich ein wenig gehalten, so dass für mich eine Umkehr auf dem von mir seit Jahren eingeschlagenen Weg nicht infrage kommt. Schließlich hat die konsequente Verfolgung meines Weges, uns auch zueinander geführt. Für mich auch ein Erfolg meines Weges....
Ich hätte mir vielleicht früher die Begegnung mit Dir gewünscht, um Zugang zu Deinen strategischen Überlegungen zu finden. Gegenwärtig ist es jedoch neu für mich, die durchaus eingängigen und plakativen Ethikhinweise auf der VitaoCard als gewinnbringend für die Arbeit meines Ethikcollegs anzusehen, es sei denn, dass die Mitwirkung meiner Arbeit auch Niederschlag in den Ergebnissen findet.

Ethik fragt nach den Grundsätzen und Prinzipien für ein bestimmtes moralisches Verhalten Sie sucht nach der methodisch geleiteten Besinnung und B e g r ü n d u n g auf die faktisch geltende Moral. Sie ist und bleibt nichts anderes als die Lehre von der Verantwortung und versucht auch, diese zu begründen. Deshalb "verunsichert und irritiert" die Ethik auch und ist deshalb potentiell "gefährlich". Ethik ist dort angesiedelt wo menschliche Konflikte sind und sie stellt vor allem nicht nur Bestehendes infrage, sondern fragt in erster Linie, wie Werte (unternehmerische, menschliche, kulturelle), Normen, d.h. kodifizierte Prinzipien und Haltungen, d.h. menschliche Verhaltensweisen begründet werden. Sie ist somit das Ergebnis von Reflexionen über unser Dasein und unser menschliches Miteinander im Leben, in den Unternehmen und in der Wirtschaft.

Die Ethik greift weiter als die Moral, weil diese lediglich die in einer Gemeinschaft (Unternehmen, Gruppe) tatsächlich vorherschende Wertekultur wiederspiegelt. deshalb gibt es auch in kriminellen Vereinigungen durchaus eine Moral(z.B. omerta) aber keine Ethik, weil doloses Handeln niemals begründbar ist.

Mit diesen Überlegungngen habe ich seinerzeit den Versuch gestartet, eine Zertifizierung des Ethikmanagements in Unternehmen(und Altenpflege) im Zertifizierungs(un)wesen in Deutschland zu etablieren. Ich halte diese Pionierarbeit für immer noch wegweisend und grundlegend, obgleich sie strategisch wenig erfolgreich in den Märkten und bei den Unternehmen angekommen ist und dementsprechend etabliert wurde. Hierfür stehe ich nach wie vor und dies ist das Markenzeichen des Ethikcollegs. Es ist eine Frage der Glaubwürdigkeit, mit seiner Arbeit und mit seinem Namen auch für die nächste Generation dienlich und wegweisend gewesen zu sein. Da kommt es mir nicht auf den schnellen Erfolg an.

Gegenwärtig arbeite ich an einem neuen Buch, um die Penetrierung der Ethik im Wirtschaftsleben voran zu treiben. Es ist bedauerlich, dass die bei der FIFA angesiedelte Ethikkommission den einzgen deutschen Teilnehmer verloren hat, weil er sich treu geblieben ist und weil die FIFA und die Ethik sich offenbar diametral gegenüber stehen. Ich weiß auch nicht, warum man dieses Feigenblatt einer Ethikkommission installiert hat, wenn man aller Welt demonstriert, wie z,B. bei der Vergabe der Fußball-WM, dass es auch ohne Ethik geht, wenn das Schmiergeld nur stimmt.

Diese Überlegungen nur für die Fußnote, aber sie sollen Dir zeigen, dass ich jedes Bemühen begleite, sofern es auch meinem Ziele, der induktiven Weitergabe ethischer Werte und Normen dient. Da der "missionarische" Eifer sicherlich aus einer bestimmten Glaubenshaltung resultiert, hoffe ich, dass es für Dich kein "Gesülze" ist, sondern Ausdruck einer manifesten Glaubwürdigkeit der eigenen Botschaft gegenüber. In diesem Sinne verstehe ich die Arbeit meines Ethikcollegs.
Bezüglich meiner Unterstützung und meinen Überlegungen zu Deiner Arbeit, die ich sehr bewundere,stehe ich Deinem Projekt weiterhin stets zur Verfügung. Es ist für mich ungewohnt, einen solchen quirrligen und aktiven Partner an der Seite zu haben, den ich hierfür hohe Begeisterung entgegenbringe. Lass mich wissen, wie Du Dir unsere weitere Zusammenarbeit vorstellst..

Herzlichst,
Joachim

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"Ein Projekt der VITAO ALLIANZ SCHWEIZ" <david.mclion@gmail.com> schrieb:

Lieber Joachim,

ich hoffe nicht, dass Du in meinen Ausführungen zu unterschiedliche Positionen über die Durchsetzung ethischen Verhaltens in Business und Management meinst zu erkennen. Meine Strategie ist jedoch womöglich eine andere:

Sehr früh habe ich verstanden, dass man stets mit dem Gegenteil starten soll, wenn man eine Umkehr bewirken will (eine alte chinesische Weisheit). Das heisst, wenn ich Ethik verkaufen will, darf ich mich nicht als Apostel oder Missionar hinstellen, um die hartgesottenen auf meine Seite zu ziehen. Vielmehr muss ich mich zunächst auf die Seite der Zielpersonen stellen, sie dort abholen, wo sie sind, muss einer von ihnen sein. Das hat insbesondere mit Sprache zu tun. Denn Wörter und Ausdrucksweisen "verraten" die Denkweise eines Menschen. Vergleiche die Linke Chefin Gesine Lötzsch mit ihrer Aussage "Kommunismus", mit der sie sich geoutet hat.

Bei mir ist es anders - weil mit strategischen Hintergrund. Wenn ich bewusst das Wort "Misstrauen" in den Mund nehme, dann erreiche ich zielgerichtet genau diejenigen, spiegele sie und bekomme ihre Aufmerksamkeit. Ich hoffe, dass ich damit bei Dir keine Missverständnisse aufbaue und Dich nach wie vor als Verbündeten behalten darf.

Momentan bin ich dabei, die OECM (Organisationales Ethic Commitment Mambership) Mitgliedschaft mit der Membercard und einer Anstecknadel auszurüsten. Das ist alles in der Entwicklung, selbst wenn ich es schon öffentlich mache. Weil ich grundsätzlich auch meine gedanklichen Vorhaben auf den BLOGs bereits transparent vorstelle. Das ist seit Jahren ein bewährtes Kommunikations-Verhalten, weil es erkenntlich macht, wie eine Idee vom ersten Input in die Realität wächst. Hier ein LINK zur geplanten Anstecknadel, wofür ich heute ein Angebot eingeholt habe.

Lieber Joachim. Ich vermisse Deine Mails.
Ganz lieben Gruss,

David


05. Jan 2011 14:49

Lieber David,

anbei die "Grundsätze".

Die Idee von Dir ist nicht schlecht, aber führen Sie wirklich zu einer neuen Situation?
Sei beeindruckend ist für mich kein ethischer Grundsatz. er müsste lauten, sei glaubwürdig, sei authentisch, sei gläubig, sei verantwortungsbewusst.

Verantwortlich zu sein, ist überhaupt die Voraussetzung, um Verantwortung zu tragen. Insofern ist es wichtiger, verantwortungsbewusst zu sein.

Nur eine Anregung. Nicht mehr.

Herzliche Grüße

Joachim

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"Ein Projekt der VITAO ALLIANZ SCHWEIZ" <david.mclion@gmail.com> schrieb:

Lieber Joachim,

vielen Dank für Deine Zeilen, welche mir signalisieren, wie nahe wir uns doch in unserem Gedankengut sind. Bitte übersende mir Das, was bereits erabeitet wurde.

Meine Vorstellung ist zwischenzeitlich so gediehen, dass ich die 10 Kernsätze auf die Rückseite der OECM Mitgliedskarte drucken möchte (Entwurf als JPG anhängend). Solches zwingt mich, den Checkup so knapp zu halten, dass er nahezu mit einem einzigen Blick erfassbar ist. Mehr Zeit darf es nicht brauchen und ein Manager muss es in seinem Karten-Sortiment immer bei sich tragen.

Schau Dir mein Ergebnis mal an. Auch die kleinen Schriften sind noch lesbar - haben die Grösse der Schrift eines Beipackzettels oder einer Bedienungsanleitung. Lass uns bitte beide an einer solchen Idee arbeiten, damit wir Realitäten schaffen und nicht in Ideen untergehen.

Vielen vielen Dank und sei herzlich gegrüsst.

David

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Mail vom 5.1.11

Lieber David,

vielen Dank für Deine Hinweise zum Vademecum. Ich bin uneingeschränkt einverstanden.

Wir haben schon früher damit begonnen, solche "Selbstprüfungsregeln" als ethische Unternehmensgrundsätze aufzustellen und Managern die Möglichkeit zu geben, sich selbst daraufhin zu testen, ob sie in ihrem menschlichen und beruflichem Verhalten ethischen Grundsätzen standhalten. Vor Jahren habe ich mit der KPMG solche Regeln (10 Gebote) aufgestellt. Sie weichen ein wenig ab, von Deinem Memorandum, sind aber weitgehend inhaltsgleich. Maßgebend sind Glaubwürdigkeit, Eigenverantwortung und Selbstverpflichtung, die alle drei unerläßlich sind, wenn man im Leben positive und "beeindruckende Spuren" hinterlassen will. Wenn Du an diesen ethischen Grundsätzen interessiert bist, kann ich versuchen, Sie Dir zu übermitteln.
Darüber hinaus ist dieser "Quick-Test" von uns, eine Antwort auf unternehmerische Entscheidungen, die einer ethischen Überprüfung standhalten sollten. Eigentlich müsste jeder Führungsverantwortliche diese Testfragen in der Westentasche haben, um vor schwierigen Entscheidungen selbst zu klären, ob sein Verhalten eine ethische Grundlage hat oder nicht. Auch diesen Quicktest kann ich Dir übermitteln. Er hilft in jedem Fall seine eigene Position zu überdenken und seinem Verhalten gegenüber allen Multistakeholdern eine ethische Ausrichtung zu geben. Zumindest handelt es sich um eine Aufwertung der eigenen Entscheidung hin zu einem begründbaren Verhalten gegenüber sich selbst und anderen.

Herzliche Grüße

Joachim


27. Dec 2010 14:02

Lieber David,

gern werde ich Dich auch im neuen Jahr bei deinen Aktivitäten unterstützen, sofern es mit meinen bescheidenen Mitteln möglich ist, Deinen weiteren VITAO-Erfolgen die notwendige Unterstützung zu geben. Danke für deine lieben Grüße und Wünsche für das neue Jahr.

Meiner Familie habe ich zum Weihnachtstfest einen lebensgroßen Engel von einem Kettensägenkünstler sägen lassen. Er ist wunderschön geworden und hat eine Größe von nahezu 2 m. Als ich heute morgen beim Frühstück die Tageszeitung aufschlug, u.z. den Trierischen Volksfreund.de den Dauner Teil der Zeitung fand ich plötzlich "meinen" Engel groß abgelichtet auf der Vorderseite der Zeitung wieder. Ich war natürlich sehr überrascht, weil ich mich nicht daran erinnern konnte, dass die Presse ein solches Foto geschossen hatte, ohne dass ich davon wusste. Nun, der Künstler hat im Vorfeld die Tageszeitung eingeladen, allerdings ohne zu verraten, wohin der Engel gehen würde, damit nicht unnötig Fragen gestellt würden.

Als Auftraggeber dieses lebensgroßen Engels, standen natürlich weihnachtliche Überlegungen bei mir Pate, wie die Engel auf dem Feld, die den Hirten die Geburt Christi verkündeten, aber auch der Engel, der die frohe Botschaft an Maria verkündete, dass sie einen Sohn gebären würde und schließlich der Angelus, gewissermaßen das Stundengebet der Katholiken. Der Engel des Herrn ist wie ein kleines Glaubensbekenntnis, besonders aber zur Menschwerdung des Heilands; denn dieses Bekenntnis zu Gottes Sohn umgibt die bekannte Szene des Lukas-Evangeliums. Der Besuch des Engels bei maria ist gewissermaßen das "Vorspiel" zum Weihnachtsfest. Denn am 25.3. beginnt mit der Verkündigung die Präimplantation der Eizelle Jesus Christus in Maria durch den hl.Geist: "Siehe ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort" .... Und das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnt. Mit dem Beginn der Nistation in Marias Schoß beginnt das irdische Leben von Jesus Christus über den wir heute so trefflich im kirchlich-theologisch-ethischen Raum streiten. Wir erkennen heute, dass Gnade erhalten dasselbe meint, wie den hl. Geist empfangen und bereit und empfänglich zu sein, und sich verwandeln zu lassen und neu geboren zu werden. "Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi erkannt". Es ist angesichts des täglichen Blicks auf meinen Engel das Memento wichtig, diese Botschaft täglich zu erkennnen, täglich zu deuten und sie auch zum Bestandteil des täglichen Denkens, Fühlens, Glaubens und Handelns werden zu lassen. Jeder von uns wurde durch die eigene Taufe zum Engel und damit ein wenig zum Abbild des in meinem Garten aufgestellten Engels. Der Engel und wir, werden zum Botschafter einer frohen Botschaft, die den Menschen helfen soll, das Leben immer wieder ein bisschen besser, liebevoller und lebenswerter werden zu lassen. Wenn wir weit davon entfernt sind, uns dies in Erinnerung zu rufen, dann soll der Blick auf diesen wunderschönen Engel uns dabei behilflich sein. Krippe und Kreuz stehen dicht beieinander. Die Menschwerdung als Botschaft durch den Engel verbindet uns aber auch mit dem Kreuz und dem Tod des Herrn. Deswegen steht die Angelogie nicht alleine da, sondern ist stets auch im Zusammenhang mit dem Tod und der Auferstehung Gottes zu sehen. Beides, Geburt und Tod münden in die Auferstehung und damit in eine Transzendenz, die uns der Engel verheißt. Insofern ist der Engel auch Auftrag und Triebfeder zugleich, den ethischen Weg in dieser Welt weiter zu gehen und alle zu unterstützen, die sich ihm verschrieben haben und an den Engel glauben.. "Du hast im Himmel viel Engel bei Dir, schick doch einen davon auch zu mir", so heißt es im Wolgalied aus dem "Zarewitsch" von dem vereinsamten Soldaten, der sich nach Liebe sehnt. So gesehen ist unser gemeinsamer Auftrag auch engelbegleitet, weil wir ihn eingebunden und begnadet wissen in ein größer Ganzes, dass dem Wohl der Menschheit dient, die guten Sinnes sind..

Ein kürzliches sehr intensiv geführtes Gespräch mit einem Spitzenmanager einer großen Privatbank in Düsseldorf bestätigte mir, dass das menschliche Verlangen und das Sehnen nach Vertrauen und Hoffnung -auch der eigenen Mitarbeiter- und damit nach Wahrnehmung ethischer Vorgaben im eigenen beruflichen Umfeld sehr hoch geworden ist und dass in Zukunft der Spielraum für verantwortungsbewusstes und selbstverpflichtendes Handeln wieder stärker in den Fokus beruflicher Arbeit eindringen muss. Sicherlich ein hoffnungsvoller Ansatz, der für die Engel unserer Welt mit viel Überzeugungsarbeit verbunden ist..

Am Ende eines Jahres eine hübsche Parabel, die zum Nachdenken Anlass gibt.

Herzlichst,
Joachim

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"Ein Projekt der VITAO ALLIANZ SCHWEIZ" <david.mclion@gmail.com> schrieb:
vitao-alpen-akademie.blogspot.com/2010/12/zum-jahres-unwort-wutburger-wie-auch.html

Lieber Joachim,

vielen Dank für Dein Weihnachtsmail. Deine Gedanken sind für mich so wertvoll, dass ich einfach nicht innehalten kann, sie einer breiten Leserschaft nahezubringen: habe den persönlichen Anfang weggelassen, den Text redigiert aber den persönlichen Klang bewusst dringelassen. Man lässt so den Leser Einblick nehmen in das persönliche Verhältnis zweier Menschen. Das ist als Pressebeitrag subtiler als Pressetexte, welche in ausgefeilter Form veröffentlicht werden. Ich hoffe, dass ich unser Vertrauensverhältnis damit nicht verletze. Wie immer bleibt Dir die Möglichkeit offen, Beiträge wieder durch mich löschen zu lassen.

Ich bin momentan mit VITAO sehr erfolgreich - insbesondere, was die Akademie angeht und werde Dir gleich Anfang Jahr darüber mehr berichten.
Falls wir zwischenzeitlich nichts mehr voneinander hören sollten wünsche ich Dir und Deiner Familie einen besinnlichen Übertritt in ein Jahr, das sich meiner Überzeugung nach als geschichtsträchtiges Aufbruchsjahr in neue Möglichkeitem entpuppen wird.

Alles Liebe, alles erdenklich Gute...

David


22. Dec 2010 11:44

Lieber David,

die Zeit ist gekommen, Dir ein fröhliches und besinnliches Weihnachtsfest zu wünschen. Das Jahr 2010 hat uns zusammengeführt und uns erfahren lassen, dass wir viele gemeinsame Erkenntnisse in unserem leben gewonnen haben, die tragfähig sind auch für andere Menschen, die der Ethik wieder einen Raum geben wollen, den sie verloren zu haben glauben. Sie fristet ein stiefmütterliches Dasein, weil die meisten Menschen glauben, dass sie stört oder sie zumindest irritiert. Dagegen müssen wir uns wehren und die Verantwortung dort manifestieren, wo sie in der Politik, der Wirtschaft, der Kirche, den Medien und der Wissenschaft zur Fremderscheinung geworden ist.

Das kürzlich von der Deutschen Gesellschaft zur Spracherhaltung gekürte Jahresunwort "Wutbürger" spiegelt meines Erachtens sehr deutlich den Zustand unserer Gesellschaft wider. Die Bürger werden nicht mehr gehört oder verstanden, weil die Vernetzung zwischen Gewählten und Wählern, zwischen Managern und arbeitender Bevölkerung, zwischen kirchlichen Würdenträgern und Gläubigen zwischen Informanten und Informierten, zwischen Wissensvermittlern und Wissbegierigen nur eine Einbahnstraße ist, von denen nicht beide Seiten profitieren, sondern meist nur die Inhaber der jeweiligen Vorteilsposition. "Wutbürger" zu sein, spiegelt die Selbstreflexion unserer Gesellschaft wider und sie tut uns solange noch nicht weh, solange die Pflastersteine dort bleiben, wo sie hingehören.

Besser fände ich für uns das Wort "Mutbürger". Nicht gegen jeden und alles zu sein, ist fortschrittsdenkend, sondern eher das Bekenntnis zur Besserung anstandsgerechten Verhaltens, zur Rückgewinnung von Vertrauen, Selbstverpflichtung und Eigenverantwortung. Der dadurch gesicherte Erfolg steht allen zugute und nicht nur einer kleinen Renegatenqlicke, die aus der Geschichte offenbar noch nichts gelernt zu haben scheint.
In allen Feldern unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens entdecke ich nur noch schwarze Löcher, aus denen offenbar kein Entrinnen mehr möglich ist. Der Missbrauch in den Kirchen wird auf die Zeit der 60iger-70iger Jahre festgemacht; also einem Zeitraum der die strafrechtliche Verfolgung nicht weiter thematisieren muss.Als wenn sexuelle Übergriffe und Missbrauchstaten zölibaterer Priesterschaft lediglich auf wenige Jahre dieses Jahrhunderts reduzierbar sind.. Aber wenn die "alleinseligmachende" Kirche nicht selbst Buße tun will, um wieviel schwerer wiegtder Mangel an Glaubwürdigkeit, die Bußsakramente ihrer Glaubenslehre auch tatsächlich und effektiv zu vermitteln.

Die gleiche Heuchelei findet zur Zeit im Umgang mit der Praeimplantationsdiagnostik statt, in der einige politische Kader ihre moralische Position entdeckt zu haben scheinen, indem sie die PID zwar generell ablehnen, aber in speziellen Ausnahmefällen, die Verantwortung einer Ethikkommission übertragen wollen, wenn Elternpaare zu erwarten haben, dass die Geburt eines im Reagenzglas getesteten Embryos möglicherweise mit bleibenden Schäden zu rechnen hat, sofern es dann von der Mutter ausgetragen wird. Diese Haltung ist unerträglich und es wundert, dass so viele Frauen in politischer Verantwortung diesem unseligen Treiben tatenlos zu sehen. Ihnen ist offenbar mehr daran gelegen, so zu tun, als wenn der PID durch die vorgezogenen Tests Tür und Tor geöffnet wird, um daraus Wunschkinder (Designerkinder) abzuleiten, zu denen in Deutschland sicherlich vor einigen jahrzehnten eine gewissen Affinität bestand. Es ist doch ungleich problematischer für Mutter und einer bereits implementierter Eizelle, wenn während der Schwangerschaft dann erlaubterweise getestet wird, ob das noch auszutragende Kind lebensfähig ist. Für Mutter und auszutragendem Kind ist die Gefahr einer dann legalen Abtreibung viel höher, als wenn dies bereits im Vorfeld einer PID geschieht. Vielleicht haben wir immer noch ein gestörtes Verhältnis zum menschlichen Leben und goutieren unser Verhalten mit der seltsamen Einlassung die PID wäre ein Eingriff in den göttlichen Schöpfungsakt. Was für eine Blasphemie angesichts der täglichen Torpedos die tatsächlichen den göttlichen Wirkungskreislauf verletzen oder ihn total zerstören.
Wenn die Ethik wirklich Einfluss nehmen kann, durch bindende Entscheidungen, würde sich im gesellschaftlichen, beruflichen und kirchlichen Umfeld die erschütternden Exzesse sicherlich reduzieren. Aber auch in diesen sog. Ethikkommissionen finden stramme Parteisoldaten ihre moralische Tinktur aus der sie jeweils die geeignete Farbe wechseln können, wie andere Menschen ihre Hemden.

Ich bin am Ende eines bewegten Jahres immer noch verwundert, wie leichtfertig der Umgang mit der Ethik genommen wird. In unserer Beliebigkeitsgesellschaft wird sie schnell in das Kleid der Nachhaltigkeit gesteckt, über die allenthalben Foren, Seminare, Konferenzen abgehalten werden, die in nahezu allen Fällen wenig bewirken und nur dazu dienen, sich den Anschein um Besserung der Welt zu geben.

Wir werden die Welt nicht verändern, aber es macht uns Mut - deshalb Mutbürger - ein treues Bekenntnis abzugeben, woran wir glauben und auch dann immer noch einen Baum zu pflanzen, wenn morgen die Welt unterzugehen droht. Nicht Wut gegen die Herrschenden erscheint das Signal für die Zukunft zu sein, sondern der Mut zu einem Bekenntnis für ein menschengerechteres Zusammenleben. Die salbungsvollen Reden zu Weihnachten und am Ende eines turbulenten Jahres, an dem immer nur die "Anderen" Federn lassen mussten, besinnen sich die Mächtigen der Staaten, wofür sie eigentlich angetreten sind und wofür Ihnen Vertrauen und damit der persönliche Geldsegen ermöglicht wird.. Leider ist die Verfallzeit ihrer Reden und Worte so rasch vergangen wie das ausgesprochene Wort selber, so dass sie sich bei ihrem nächsten statement schon nicht mehr daran erinnern können, was sie vor wenigen Minuten andernorts gesagt haben Die Verantwortung ist eben ein flüchtiges Gut, dass im Wertschätzungskatalog der Machtbewussten keinen dauerhaften (nachhaltigen) Platz gefunden hat.

Finden wir zu Weihnachten mehr als nur tröstliche Stimmung. Es kommt auf das Kind an und sonst nichts anderes. Alles an diesem Fest lebt davon, welche Mitte wir wählen und stirbt oder wird zur Illusion, wenn wir dieses Zentrum der heiligen Nacht nicht ansteuern oder gar aus dem Auge verlieren.
Ich wünsche Dir ein fröhliches und gnadenreiches Weihnachtsfest und ein gutes gemeinsames Jahr 2011.

Joachim


MONTAG, 11. APRIL 2011
Kleiner Lebensmerkzettel für "I am responsible"


1. Beachte, dass große Liebe und großer Erfolg immer mit großem Risiko verbunden sind.

2. Wenn Du verlierst, verliere nie die Lektion.

3. Habe stets Respekt vor Dir selbst, Respekt vor anderen und übernehme Verantwortung für Deine Taten.

4. Bedenke: nicht zu bekommen, was man will, ist manchmal ein großer Glücksfall.

5. Lerne die Regeln, damit Du sie richtig brechen kannst.

6. Lasse niemals einen kleinen Disput eine große Freundschaft zerstören.

7. Wenn Du feststellst, dass Du einen Fehler gemacht hast, ergreife sofort Maßnahmen, um ihn wieder gut zu machen.

8. Verbringe jeden Tag einige Zeit allein.

9. Bedenke, dass Schweigen manchmal die beste Antwort ist.

10. Lebe ein gutes ehrbares Leben. Wenn Du älter bist und zurückdenkst, wirst Du es noch einmal genießen können.

11. Eine liebevolle Atmosphäre in deinem Heim ist das Fundament für Dein Leben.

12. In Auseinandersetzungen mit Deinen Lieben sprich nur über die aktuelle Situation. Lasse die Vergangenheit ruhen.

13. Teile Dein Wissen mit anderen. Dies ist eine gute Möglichkeit, Unsterblichkeit zu erlangen.

14. Gehe sorgsam mit der Erde um. Begib Dich einmal im Jahr an einen Ort, an dem Du noch nie gewesen bist.

15. Bedenke, dass die beste Beziehung die ist, in der jeder Partner den anderen mehr liebt als Du brauchst.

16. Messe den Erfolg daran, was Du für ihn aufgeben musstest.

17. Widme dich der Liebe und dem Kochen mit ganzem Herzen.

18. Öffne der Veränderung Deine Arme, aber verliere Deine Werte nicht aus den Augen.

Prof. Dr. Joachim Kohlhof (aus einem Mail an David McLion)


"Prof. Dr. Joachim Kohlhof, Ethikcolleg" schrieb:

Lieber David,

die Ankündigung von Wikileak, die Geschäftspraktiken einer Großbank der USA unter ethischen und geschäftlichen Prämissen aufzudecken, zeigt einmal mehr, mit welchen Monstern wir auf den Finanzmärkten leben müssen und wie weit die Ethik von diesen Unternehmen entfernt ist. Mich wundert es daher nicht, dass die von mir als dringlich angebotenen Seminare für Bankenethik nicht besucht werden, weil das Management global wirkender Banken nichts mehr fürchtet, als die Aufdeckung ihrer unethischen und damit verantwortungslosen und menschenverachtenden Bankpraxis.

Nichts anderes findet zur Zeit auch bei der HSH Bank in Hamburg und in vielen anderen Geldinstituten in Deutschland und weltweit statt. Der Gründer von Wikileak wird nunmehr per Interpol gesucht. Eines Tages werden alle Leute, die Offenheit, Transparenz, die Ethik und Ihre Konsequenzen in der Wirtschaft anmahnen ebenfalls per Steckbrief gesucht. Aber so lange wir uns melden und die Stimme noch erheben können, solange sollen und müssen wir uns melden. Eine schlimme Welt, in der die Entdecker der wirtschaftlichen Greueltaten und nur die nackte Wahrheit verkünden per Interpol gesucht werden, damit sie bestraft werden.
Die Wahrheit darf eben nicht verkündet werden und ist nur für wenige zu ertragen.

Schade nur, dass alle politischen Gauner, die ständig die Nachhaltigkeit und die Ethik in den Mund nehmen, diejenigen sind, die am lautesten nach Verhinderung der wahrheitsgemäßen Informationen rufen. Ein klassisches Exemplar, wie verlogen unsere Politiker, unsere Wirtschaftsführer und unsere Welt ist. Sie wollen offensichtlich nicht sich ihrer wahren Verantwortung stellen. Für mich (und für Dich) ist es daher noch ein langer Weg, die Welt zum Besseren zu verändern. Hier ist unser Weg das Ziel. Wir dürfen es nicht aus dem Auge verlieren.

Herzliche Grüße
Joachim
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"David McLion" <david.mclion@gmail.com> schrieb:
die-welt-schaut-auf-glarus.blogspot.com/2010/11/10-regionale-arbeitsmarkte-im-wandel.html

Sehr geehrter Herr Dr. Perlik,

Sie wurden mir bereits mehrfach als Referent und Mitstreiter für die Projekte der VITAO ALLIANZ SCHWEIZ empfohlen. Durch Zufall bin ich nun heute morgen auf die Dokumentation zur Tagung Regionale Arbeitsmärkte im Wandel gestossen und habe u.a. Textauszüge von Ihnen verwendet.

Gerne noch würde ich das OK von Ihnen haben und Sie fragen, ob Sie mir ggf. ein Curriculum für das Artikel-begleitende WHO is WHO zur Verfügung stellen.

Im Namen der VITAO ALLIANZ SCHWEIZ würde ich mir eine partnerschaftliche Zusammenarbeit wünschen
und verbleibe mit freundlichem Gruss

David McLion
Spiritus rector VITAO ALLIANZ SCHWEIZ / VITAO WORLD SOCIETY

VITAO - the intelligent life ...


Ethik und Wirtschaft - Keine zwei paar Stiefel

Prof. Dr. rer. oec. Joachim Kohlhof
1945 in Dinslaken am Niederrhein geboren, ist emeritierter Professor für Investition und Finanzierung des Fachbereichs Wirtschaft der Fachhochschule Brandenburg und Leiter des Collegs für Wirtschafts, Unternehmens- und Führungsethik in Mehren/Eifel.
Seine zahlreichen Erfahrungen in diesen Bereichen sammelte er nach seinem Studium und Promotion auf verschiedenen beruflichen Stationen:
Vorstandsassistent und Kreditgruppenleiter im Gerling-Konzern.
Ernennung als Bundesbankrat bei der Deutschen Bundesbank.
Mitglied der Direktion in der Landeszentralbank in Köln und Bonn.
Sparkassendirektor und Vorsitzender des Vorstandes der Kreissparkasse Daun und
stellv. Bezirksobmann der Bezirksarbeitsgemeinschaft Trier.
Lehrbeauftragter für Finanzmanagement an der Fachhochschule Trier.
Professor an der Fachhochschule Brandenburg.
Gastprofessor an der Karel de Groote Hogeschool in Antwerpen, Belgien.
Dozent an der Banking Institution of Higher Education (BIHE) in Riga/Lettland
Beiratsmitglied für Ethikfragen in zahlreichen Organisationen.

Kernsätze, welche ich mir notiert habe:
Ethik ist "die Lehre von der Verantwortung"
Ethik ist für Kohlhof "Verantwortbarkeit der Ziele"
Führen ist "Leiten von Seelen"
Prof. Kohlhof ist eng verknüpft mit der DEKRA
(http://www.dekra-akademie.de/akademie/,navigation_id,68.html)
DIN EN ISO 9001 450 Ethik Standards / Ethik Management Zertifikat

Prof. Kohlhof ist die ideelle Ergänzung für das VITAO Netzwerk für eine neue Werte- und Unternehmenskultur - nicht allein für VITAO-Symposien sondern als Mitglied und Schirmherr der VITAO WORLD SOCIETY. Wir haben während des Symposiums einander hohe Wertschätzung bekundet.

Prof. Kohlhof kennt die Kurzpräsentation der VITAO ALLIANZ SCHWEIZ ( http://www.magix-website.com/mppo08/50/16/25/3F/00/B44F11DFBBC2CCE75C69631F/16262960B44F11DF89B602285C69631F.pdf ) und hat auch den VITAO Ehrencodex zum Abgleich mit seinen 450 erarbeiteten Leitsätzen von mir erhalten.

David McLion


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